Lichterglanz in der Dunkelheit

In meinen Kindertagen waren Advent und Weihnachten für mich abgesehen von der Vorfreude und der Freude an Geschenken, vor allem eine riesige Freude an Lichterglanz und friedlichen, wohlig-heimeligen Stimmungen.
So habe ich gerade in den dunklen Tageszeiten das heimelige Beisammensein in Familie genießen können. Es war mir auch an den Sonntagmorgen im Advent wichtig, dass wir noch vor Sonnenaufgang als Familie im Kerzenschein zum besinnlichen Frühstück beisammen saßen.
Und an den Tagen nach Heiligabend war ich morgens meist der erste der aufstand, um allein in der noch dunklen Stube den Lichterglanz des Weihnachtsbaums erstrahlen zu lassen und dieses Leuchten und Funkeln ganz in mich aufzusaugen.

Später als Erwachsener in Familie mit eigenen kleinen Kindern haben wir die Feiertage meist in großer Familie mit viel Zeit für gemeinsame Mahlzeiten in großer Runde, langen Spaziergängen über Land und am Abend geselliges Beisammensein mit Spielen und Gesprächen verbracht.
Für mich gehörten aber notwendigerweise auch immer Zeiten des Alleinseins besonders in den Dämmerungszeiten dazu.
Dieses Rückzugs-Bedürfnis in meine Stille habe ich anfangs selbst gar nicht so gut verstanden und es fühlte sich oft sentimental an.
Trotzdem habe ich diesen Ausgleich für meine innere Balance benötigt. Ich hab in diesen Zeiten vor allem gerne alleine kleine Spaziergänge in der Dämmerung gemacht.

Nach einer persönlichen Veränderung in der Familiensituation vor 14 Jahren habe ich dann zum ersten Mal den Entschluss gefasst, Weihnachten einmal ganz ohne Familie und ohne traditionelle Routinen zu feiern.
Damals habe ich mir ein Retreat auf dem Lande gesucht, wo ich mit ganz wenigen anderen Menschen zusammen diese Tage sehr ruhig und besinnlich verbracht habe. Mit Zeiten für Meditation, Yoga, Singen, gemeinsames Zubereiten und Geniessen der Mahlzeiten, sowie Spaziergängen allein oder in Gesellschaft.
Das war für mich so etwas wie der Beginn der Suche nach dem Lichterglanz in meinem Inneren.

Die Jahre danach habe ich Weihnachten wieder in der kleineren Familie zusammen mit meinen Kindern gefeiert und dabei zunehmend auch ein Augenmerk auf meine Bedürfnisse gehabt, was Besinnung, Stille und inneres Licht angeht.
Die Notwendigkeit dafür wurde mir dabei jeweils auch durch zeitweise sentimentale bis melancholische Stimmungslagen angezeigt.
Und solange ich noch keine ausreichend guten Möglichkeiten gefunden hatte, um in dieser Art gut für mich zu sorgen, war Weihnachten in der Adventszeit manchmal auch mit einem unguten Vorgeschmack und trüben Stimmungen verbunden.

Einen guten Umgang mit meinen Bedürfnissen um Weihnachten zu finden war für mich ein jahrelanger Weg, der immer noch nicht am Ende ist.
Dafür braucht es Stille, innere Einkehr und den Mut, meiner Dunkelheit zu begegnen.

Heute würde ich sagen, dass Weihnachten und die Adventszeit für mich eine gute Übung sind, um selbst gut auf meine Bedürfnisse zu hören und mir gewahr zu sein, dass ich die kindliche Freude am Lichterglanz vor allem in meinem Herzen wieder finden kann.
Paradoxerweise gelingt das gerade dann, wenn ich auch meine innere Dunkelheit zulasse und mir Zeiten des bewussten Rückzugs für innere Einkehr gebe.
Dabei ist die dunkle Jahreszeit insgesamt für mich trotzdem immer noch eine Herausforderung.